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Moved by the light*

 

In der Zusammenschau der Werke, die der Bildhauer Helmut Nindl in den vergangenen Jahren für den öffentlichen Raum oder im Kontext “Kunst am Bau” geschaffen hat, lässt sich die Grundhaltung des Künstlers ablesen:
Fundierte Recherche um die Situation vor Ort und die Auseinandersetzung mit den Personen, die den Ort besuchen, bewohnen oder benutzen, stehen am Beginn einer jeden Arbeit. In der Ausführung trifft Helmut Nindl eine klare Aussage, die sich formal ablesen lässt.
Oft von einem Quader ausgehend verwendet der Künstler eine reduzierte Formensprache, bei der er auf die dem Material immanenten Qualitäten der unterschiedlichen Werkstoffe vertraut: Kramsacher Marmor kombiniert mit Glas, Beton oder verschiedene Zementsorten in Verbindung mit Wasser, Metall, Spiegeln, unterschiedlichen Beleuchtungskörpern oder Pflanzen wie Buchs oder Moos. Nicht nur bei den Materialkompositionen kommt es auf das Verhältnis an - Helmut Nindl ist bei der Dimension seiner Werke immer darauf bedacht Maß zu halten. Jede Harmonie braucht die Dissonanz, um vollkommen wirken zu können, und dieses Spannungsfeld erreicht er durch geringfügige Verschiebungen, Brüche und Verschachtelungen.
Weitere Themen des Künstlers sind das Licht und das Miteinbeziehen einer zeitlichen Dimension. Die Frage des Außen und Innen, von Hülle und Kern und nach positiven und negativen Formen ist weiters essenziell. Aus einer ruralen bildhauerischen Tradition kommend interpretiert Helmut Nindl auch klassische Aufgabenstellungen wie Klappaltar, Bildstock oder Dorfbrunnen völlig neu.

Beim Reichenauer Kubus, einer vierteiligen Arbeit, die aus Beton, Buchsbaum, Acrylglas und Licht besteht, geht es um Verhältnisse: verschiedener Volumen und Flächen zueinander, von Natur und Architektur, Licht und Schatten und von Statischem und Wachsendem, das es permanent zu formen gilt. Die vier Kuben sind auch Gefäße. In jedem befindet sich unterschiedlich viel Raum für die Erde aus welcher der Buchsbaum wächst. Die Assoziation mit Betontrögen, in denen pflegeleichte Pflanzen Plattenbauten behübschen, ist umso stärker, als es sich bei dem Gebäudekomplex, vor dem die Kuben stehen, um eine soziale Wohnanlage in Innsbruck handelt. Die “verfremdeten Blumenbehältnisse” werden in der Nacht zu räumlichen Lichtzeichnungen. In den Fugen zwischen den einzelnen Modulen der Kuben sind Lichtbänder eingearbeitet, die sich in der Farbe verändern.

Licht und Schatten thematisiert Helmut Nindl auch bei seiner als Platzgestaltung konzipierten Sonnenuhr beim Kramsacher Seniorenheim. Licht und Schatten stehen für die Höhen und Tiefen eines Lebens. Der immer wiederkehrende Rhythmus von Tag und Nacht und der Jahreszeiten kann aber auch tröstlich sein und Hoffnung auf einen Neubeginn schöpfen lassen. Bei diesem Projekt ist es dem Künstler auf sensible Art gelungen Inhalt, Form und technische Voraussetzungen zu verquicken. In einem Dreiviertelkreis sind steinerne Kreise und Dreiecke aufgestellt, welche die Stunden des Tages anzeigen. In jedem dieser Steine ist eine gläserne Linie eingelassen, die “wenn ihr die Stunde schlägt” mit dem Schatten des langen Edelstahlzeigers, der auf einem Steinkubus montiert ist, deckungsgleich ist. Diese gläsernen Einsprengungen haben eine wellenförmige Oberfläche, die den Fluss des Lebens symbolisiert. Als zweite Metapher dafür sind auf dem Würfel in der Mitte alle möglichen Parameter der Zeitmessung eingeschrieben - von der Sekunde bis zum Jahrtausend. Zeichen dieser Art finden sich im Oeuvre von Helmut Nindl öfters. Bei einem Bildstock im Kramsacher Mariathal leuchtet das Morsezeichen für SOS -“save our souls” - aus dem marmornen Sockel.

Noch bevor Glas und eingebaute Lichtquellen in Helmut Nindls Kunst Einzug hielten, interessierte sich der Künstler für das Phänomen des Lichts und dessen partieller Abwesenheit - dem Schatten. Als Beispiel hierfür sei der “Klappstuhl gestürzt” genannt, der in der HTL I in Innsbruck präsentiert wird. Ein simpler, weiß gestrichener Holzklappstuhl und dessen aus schwarzen Holzplatten simulierter Schatten stellen als Wandobjekt Raumwahrnehmung in Frage.

Der wenig früher entstandene Gedenkstein aus Kramsacher Marmor für den Gründer des Bauernhöfemuseums Heinz Mantl bedient sich ebenfalls des Schattens als Gestaltungsmittel. HMANTL ist als Negativform an der Oberfläche zu sehen. Etwas zurückgesetzt ist durch die mit Moos gefüllte Schattenfuge erst der Name des zu Gedenkenden zu lesen. Hier diese Ästhetik des Verschwindens einzusetzen erscheint einerseits sehr subtil und andererseits deswegen so wahrhaftig, da sich die Hinterbliebenen an den Verstorbenen und nicht an sein Denkmal erinnern sollen. Vielleicht wird in hundert oder mehr Jahren Moos den gesamten Stein bedecken und die Erinnerung völlig ausgelöscht sein.

Anlässlich der Fertigstellung der Umfahrungsstraße der Glasstadt Rattenberg hat Helmut Nindl einen Turm mit gläsernem Abschluss für den Parkplatz vor der Tunneleinfahrt entworfen. Dieser “Glaskubus Rattenberg” aus Beton, Glas und Licht ist in seiner Basisform an die Ruine angelehnt, die auf einem Hügel oberhalb von Rattenberg steht. Bestehend aus vier übereinander gestellten kubischen Modulen, die unterschiedliche Öffnungen aufweisen, aus denen in der Nacht Licht dringt, erscheint das Objekt eigenartig dynamisch. Liegt es an dem schräg aufgesetzten Abschlusselement aus Glas, in dem sich die Berge spiegeln, oder an den unregelmäßig angesetzten Lichtöffnungen? Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass die einzelnen Kuben nicht gleich behandelt worden sind: ihre Oberfläche ist unten roher als oben und sie sind nicht Kante auf Kante, sondern geringfügig aus dem Lot übereinander gesetzt.

Der Entwurf für einen begehbaren Brunnen greift die geologische Besonderheit der umliegenden Gebirge auf. Im Süden des Ortes findet sich Schiefer und im Norden Kalkgestein. Fünf Bäche fließen hier zusammen. Stellvertretend für jeden dieser Wasserläufe ist ein Kubus geplant, wobei die beiden Gesteinsarten der Region verarbeitet werden sollen. Auch hier geht es um das Verhältnis von Innen und Außen, um Hülle und Gefäß und als Bruch um die Verzahnungen der beiden Gesteine. So sorgfältig konstruiert und puristisch ausgeführt sie sind, bleibt doch der Blick für die Landschaft und das Einfühlungsvermögen in die Menschen bei den Arbeiten Helmut Nindls im öffentlichen Raum immer spürbar.

Das zeigt sich auch bei einem seiner Projekte für eine Wohnanlage mit elf Eingängen in Wörgl. Hier nimmt der Künstler mittels Zeichen und Beschriftungen eine “Positionierung” vor. Fünf begehbare Glasplatten sind in die Hauseingänge eingelassen, die von den Seiten mit verschieden farbigem Licht - rot, gelb, blau und grün - beleuchtet sind. In der grafischen Gestaltung ist jedem Zugang ein Buchstabe der Adresse zugeordnet: AUGASSE 27B. Seehöhe und Adresse definieren auf sehr konkrete Weise die geografische Situation. Das Ganze ist die Summe seiner Teile und so ist diese Intervention auch eine Metapher für die Bedeutung, die eine funktionierende Hausgemeinschaft als Mikrokosmos in der Gesellschaft hat. Die BewohnerInnen einer Einheit sind als kleinerer gemeinsamer Nenner, durch das Spektrum der Farben des Lichts symbolisiert, in sich komplett. Die Arbeit ist über die örtliche Positionierung hinausgehend eine positive Botschaft an die Menschen, die dort leben.

Mag. Ingeborg Erhart, Innsbruck

Moved by the light * - http://www.sundials.co.uk/ : Sinnspruch auf einer Sonnenuhr

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HELMUT NINDL - Bildhauer/Sculptor

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