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HELMUT NINDL - METONYMIE

 

Kunst als Corporate Design
Ein Text von Mag. Günther Moschig

Das Projekt der Moderne, und darauf hat der amerikanische Kunsthistoriker Donald Kuspit in seinem Buch „Der Kult vom Avantgardekünstler“ schlüssig hingewiesen, verfolgte zunächst eine therapeutische Intention. Und das sowohl für das Individuum, wie für die Gesellschaft. Kuspit spricht hier zunächst von einer expressiven und geometrischen Heilung, aber auch, was die Nachkriegsmoderne betrifft, vom „Ruhm als Allheilmittel“ bei Andy Warhol und vom „schamanischen Prinzip“ bei Joseph Beuys.

Für die frühe Moderne sind zwei unterschiedliche Programme festzumachen. Zum einen ist das eine auf Wassily Kandinsky aufbauende expressive und emotionale, zum anderen in der Tradition von Malewitsch und Mondrian eine geometrisch-konstruktive Abstraktion. Hier gilt die elementare mathematische Einfachheit der Geometrie in ihrem universellen Anspruch als Prüfstein der eigenen Existenz, dort der subjektive, expressive Ausdruck mit dem Blick auf eine innere Befindlichkeit als emotionale Rettung, vor allem vor der eigenen Tragödie.

Der Tiroler Bildhauer Helmut Nindl bleibt der Moderne verpflichtet. Bis in die 1990er Jahre hinein noch einem klassischen Skulpturenbegriff nahe und damit einer sich auf das Material einlassenden emotional bedingten Arbeitsweise, wendete er sich in den letzten Jahren reduzierteren geometrischen Konzeptionen zu. Im Zentrum steht der Kubus mit dessen formalen Möglichkeiten im Sinne einer konkreten Kunst. Damit verbunden sind auch Überlegungen zum Raum und damit wiederum eine Annäherung an das raumbezogene Denken der Architektur. Jedes Haus, jedes Gebäude ist neben seinen mathematischen Dimensionen zugleich konkret erlebbarer und gelebter Raum. Ein Aufenthalt darin, und das ist die hohe Herausforderung an die Architektur, soll ein für den Menschen angenehmer sein.

Einem Haus wie dem Gesundheitsresort „DAS SIEBEN“ in Bad Häring muss es daher zuerst um die Ermöglichung eines glücklichen „Daseins“ gehen. „DAS SIEBEN“, ein Ort der Gesundheit, der Heilung wie der Erholung, setzt dabei neben der Architektur und dem eigenen therapeutisch-medizinischen Konzept auf die Kunst. Helmut Nindl konnte in enger Zusammenarbeit mit den Betreibern und dem Architekten ein komplexes ästhetisches System entwickeln, das die Umsetzung eines ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes unterstützt.

Das Erscheinungsbild des neuen Gesundheitsressorts „DAS SIEBEN“ in Bad Häring wird von der Kunst definiert. Nindls dreiteilige künstlerische Konzeption beruht auf sieben Grundpfeilern für ein gutes Leben - auf Leben, Gesundheit, Seele, Essen, Schlaf, Erholung und Natur.

Die zentrale Arbeit darin ist die Betonskulptur „METONYMIE 2.0“ im außenliegenden Eingangsbereich des Gebäudes. „Metonymie“, ein Begriff aus der Linguistik, meint Umbenennung. Es geht hier also um eine leichte Bedeutungsverschiebung, ohne aber den ursprünglichen Wirklichkeits- und Wahrnehmungsbereich zu verlassen. Der Kubus bleibt ein Kubus, auch wenn er geteilt, ausgeschnitten, von innen nach außen gekehrt und aus den Fugen geraten scheint. Wenn die statisch harmonische Form des Würfels für ein ebensolches Leben steht, so verweist dessen formale Teilung und die leichte Verschiebung der nunmehrigen Einzelteile darauf, dass dasselbe letztlich immer in Schwebe bleibt, von Unsicherheiten und Veränderungen begleitet.

Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Dass Helmut Nindl mit „METONYMIE 2.0“ den menschlichen Lebens-lauf an sich meint, wird dazu noch unterstrichen durch die Anbringung kompletter Chromosomensätze als den Informationsträgern des individuellen Erbgutes jedes Menschen.

Helmut Nindl hat mit „METONYMIE 2.0“ einer 2005 erstmals in hellerem Beton realisierten Arbeit auch eine neue anthrazitfärbige Variante gegeben. Sein Interesse an Materialien lässt ihn mit Spezialisten nach neuen Möglichkeiten der Betonbearbeitung suchen, mit Ergebnissen, die die farblichen, wie haptischen Qualitäten seiner Betonskulpturen erweitern.

Dies gelingt ihm auch in den sieben KUBUS-STELEN, die als Wegweiser die sieben Anwendungsbereiche im Innenraum des Gesundheitsresorts organisieren. Auch sie anthrazitfarbig wie die große Außenskulptur kam hier Schlackensand aus der Kupferverhüttung zum Einsatz und gibt den Stelen eine naturnahe lebendige Oberfläche. Neben Beton gehören Glas und Licht zu den bevorzugten Materialien Nindls. Das immaterielle Licht wird ausgehend von computergesteuerten, die Farbe variierenden LEDs über das Glas sichtbar und unterstreicht die farbliche Zuordnung zu den sieben Ge-sundheitsabteilungen des „DAS SIEBEN“. So steht hier „Gelb“ für Leben, „Hellgrün“ für Gesundheit, „Lilagrau“ für Seele, „Rot“ für Essen, „Hellgelb“ für Schlafen, „Grün“ für Erholung und „Orange“ für Natur. Darüber hinaus bleibt auch in den Stelen die Form des Kubus Anlass für weitere formale Fortschreibungen.

Was Helmut Nindl hier mit der Aufstellung der KUBUS-STELEN macht - eine Codierung eines halböffentlichen Raumes - setzt er mit dem dritten Teil seines gestalterischen Gesamtkonzeptes, dem Entwurf des Teppichbodens, konsequent fort. Sind schon die Stelen als Zeichen zu lesen, so wird in den Bar- und QR-Codes des Teppichs Nindls Interesse an den Organisationstrukturen menschlicher Kommunikation und seine Teilhabe an der digitalen Wirklichkeit deutlich. Wiedererkennung wird hier zur zentralen Frage. Dafür greifen neue Kommunikationstechnologien zurück auf grafische Codes. Scans sind das Gebot der Stunde und verändern unsere Wahrnehmung wie unsere Alltagsorganisation. Als Träger unterschiedlicher Informationen sind diese Codes nur digital lesbar. Für das menschliche Auge bleiben grafische Strukturen, Linien, Balken, Kästchen.

Helmut Nindl entkoppelt nun diese Codes von ihrer Information und interpretiert sie um in ein Ornament. Auch wenn dieses Teppichmuster digital lesbar bleibt, wird es doch zu einem geometrisch konkreten Bild.

Nindls Bestreben auf Wiedererkennung bezieht sich also auf das komplexe System des Gesundheitsresorts „DAS SIEBEN“, dem er mit seinen gestalterischen Interventionen eben diesen Wiedererkennungswert gibt - eine gültige Corporate Identity.

KUBUS METONYMIE 2.0

Edelstahl, Beton, LED-Lichtinstallation, 195 x 195 x 195 cm

Gesundheitsresort DAS SIEBEN, Bad Häring, Tirol, Österreich

KUBUS METONYMIE 2.0
KUBUS METONYMIE 2.0 Edelstahl, Beton, LED-Lichtinstallation, 195 x 195 x 195 cm Gesundheitsresort DAS SIEBEN, Bad Häring, Tirol, Österreich

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