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EIN WÜRFEL IST EIN WÜRFEL, EIN WÜRFEL

 

Ein Würfel ist ein Würfel, ein Würfel ……

definiert durch seine gleich langen Seiten, die somit gleiche Flächen zur Folge haben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Nicht so jedoch, wenn sich ein Künstler, ein Bildhauer, dieses Objektes annimmt. Einschnitte und Durchschnitte verschiedenster Art und Tiefe, die der Künstler setzt, schaffen erstaunliche und verblüffende Ein- und Durchblicke in das Innere dieses Körpers, wodurch sich dem Betrachter dessen Innenleben offenbart.

Nicht genug damit: Durch Bepflanzen dieser Ausnehmungen und der dadurch entstandenen Innenräume mit Gras oder Buchs wächst aus diesem Inneren Lebendiges. Ein zum Leben erweckter Würfel ist entstanden; der Gegensatz zwischen dem Artefakt (Betonwürfel) und der Natur (Pflanzen) ist in der Kombination der beiden gleichsam zu einer Symbiose geworden und dadurch aufgehoben.

Auch zylindrische Objekte - ebenfalls aus Beton - erfahren durch gesetzte Einschnitte - längs oder quer - eine Verwandlung, sodass sich dem Betrachter völlig neue Perspektiven eröffnen. Da dem Licht durch die Auslassungen und Einschnitte der Weg ins Innere der Körper ermöglicht wird, kommt es zu dem reizvollen Spiel von Licht und Schatten. Die Arbeit “Kubus Metonymie” von Helmut Nindl zusätzlich mit den zunächst rätselhaften Worten “Verschiebung …… das ist doch anders als es früher war?” verschlüsselt, stellt eine Verdichtung aller vorausgegangenen Arbeiten mit Würfeln dar. Dies insofern, als es nicht nur bei Ein- und Ausschnitten in den Würfelkörper bleibt, sondern es zu einer allmählichen Verschiebung der oberen geviertelten Hälfte des Würfelkörpers kommt. Die oben gestellte Frage erfährt durch diese Verschiebung innerhalb der Skulptur zu-gleich durch die Skulptur ihre Antwort. Der Würfel selber bricht die strengen Kriterien, die ihn als solchen definieren, und scheint trotzdem ein Würfel zu bleiben, “…… das ist doch anders als es früher war?” Dieses Motto könnte allerdings auch für die Würfel- und Zylinderserien herangezogen werden und darüber hinaus für weitere Arbeiten gelten. Die Intention, von Körpern auch deren Inneres sichtbar werden zu lassen, die Vielschichtigkeit und Komplexität künstlerischer Arbeit in einer Gleichzeitigkeit zum Ausdruck zu bringen, das ist Anliegen und zugleich Herausforderung Helmut Nindls. Sind diesem Anspruch nun nicht schon allein von den Materialien her (Beton, Stein, Metall, Holz) deutliche Grenzen gesetzt? Stehen sie nicht zur angestrebten Gleichzeitigkeit und Transparenz in einem unauflösbaren Gegensatz, in einer Unaufhebbarkeit des Widerspruchs zwischen Idee und Material, des scheinbaren und deshalb hinterfragbaren Gegensatzes zwischen Geist und Materie?

Helmut Nindl löst diese “Unvereinbarkeit” in der Weise, dass er auf ein Material zurückgreift, das Festigkeit, Formbarkeit und zugleich jene geforderte Durchlässigkeit und Durch-“Sichtigkeit” besitzt, welche die Gleichzeitigkeit ermöglicht, nämlich Glas. In den “Positionen - Familienbildnis Ascher” gelingt es ihm auf Grund der übereinander gelegten und zugleich verschiebbaren Glasplatten, darauf abgebildet die einzelnen Familienmitglieder, die Komplexität einer Familie sichtbar und durchschaubar zu machen. Die Individualität des Einzelnen, die Gruppe als Ganzes, die Altersdifferenzen untereinander, kurz, all dies kann gleichzeitig und doch transparent stattfinden.Mit der Arbeit “Zeitfluss” beschäftigt sich Helmut Nindl mit dem Problem Geschichte - konkret mit jener von Radfeld -, die im Zeitfluss vorüberströmend vergeht und doch zugleich Vergangenheit schaffend bleibt, in der sie aufgehoben ist. Als “Sediment” am Boden der Geschichte lagernd bildet sie den Untergrund der Gegenwart.Wie kann dies künstlerisch umgesetzt werden? Traditionelle Vorgehensweisen, ob in der Malerei, der Bildhauerei oder auch Literatur, erschöpften sich im Hintereinander oder Nebeneinander der Darstellung. Nindl gelingt eine völlig neue Lösung: Obwohl die verschiedenen Zeitebenen übereinander liegen, verdecken sie sich trotzdem nicht. Im Gegenteil, der Durchblick wird von der Gegenwart bis in die Vergangenheit ermöglicht. Der Betrachter durchdringt mit seinem Blick die Zeitebenen und stößt gleich einem Archäologen auf immer tiefer liegende Schichten der Geschichte. Er hat im wahrsten Sinn des Wortes den Durchblick. Der Werkstoff Glas, den Nindl hier einsetzt, ermöglicht diese stupende Lösung.

Glas kombiniert mit Stein oder Metall gibt den verschiedenen Arbeiten Nindls eine Leichtigkeit, eine Transparenz, die durch das einkalkulierte Wechselspiel von Licht und Schatten und der Wirkung des Wassers im Zusammenspiel mit Glas das Unverkennbare seiner Arbeiten ausmacht.

Ein Gegensatz, mit dem sich der Künstler beschäftigt und der von ihm auch bewusst thematisiert wird, ist jener von Kultur und Natur. Gerade als Künstler muss ihm die Dissonanz, da er durch sein künstlerisches Schaffen in dieses Spannungsfeld hineingerät, umso deutlicher und manchmal wohl auch schmerzlich bewusst werden. Das Brunnenobjekt “Nature-Culture” für einen Innenraum umkreist dieses Thema. Die Werk-“Stoffe”, die zum Einsatz kommen und die zugleich auch schon die Programmatik wiedergeben, sind: Stahl, Aluminium, Glas - die Seite der Kultur repräsentierend, und jene die Natur vertretend - Licht und Wasser. Ein Zylinder aus Aluminium, die Basis des Brunnens bildend, dient zugleich als Symbolträger für den Begriff Natur. Auf ihn eingraviert finden sich die Urformen des Lebens: Protozoen, Mikroben etc. Aus dem “Urgrund” aufsteigend erhebt sich eine Glassäule, die in ihren Gravuren (Pyramiden, Venus von Willendorf, die Fraktale etc.) die Kultur, die Zivilisation darstellt. Beide werden nun verbunden mit jenem Element, ohne das es kein Leben gäbe und somit auch keine Entwicklung bis hin zum Menschen und seinen Kulturschöpfungen. Es ist das Wasser, der “Urgrund allen Seins”. Ein zweites Element, ohne das ebenfalls kein Leben denkbar wäre, ist das Licht. Auch diese Arbeit imponiert auf Grund der verwendeten Materialien, einschließlich von Licht und Wasser, durch Leichtigkeit, Transparenz und der von diesen bewirkten Eleganz.

Gleichsam als Brücke zwischen den beiden steht in einen Glaskörper eingeschrieben der Aufruf, die Erinnerung, die Mahnung: “Look at Gavorrano - Falda per Falda”. In dieser Arbeit, die Nindl als temporäre Präsentation für Italien 2005 schuf, finden sich alle Elemente seines Schaffens - geistig wie materiell - vereinigt.

Diese Widersprüche und Gegensätze, die letztlich jeder Mensch und so auch der Kunst schaffende Mensch als Ambivalenz in sich trägt, können für die einen Ursache für ein mögliches Scheitern sein, für die anderen (die Kunstschaffenden) jedoch nie versiegende Quelle künstlerischer Inspiration.

Dr. Gunther F. Zeillinger, Vomp

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