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ABSTRAKT – GEOMETRISCH – REAL – KONKRET

 

Gegenstände für den geistigen Gebrauch

Abstraktion ist einer der gängigsten und gleichzeitig vielschichtigsten Begriffe in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dabei hat der Begriff variierende Bedeutungszuschrei-bungen erfahren, ist verbunden mit unterschiedlichen politischen Realitäten und hergeleitet aus differierenden Weltsichten.

Ein erster Zugang ist Wilhelm Worringers 1908 veröffentlichte und auf Alois Riegels Theorien aufbauende Schrift „Abstraktion und Einfühlung“, die Abstraktion als das Streben nach „innerer Beruhigung“ charakterisiert. Worringer stellt dem Inneren Erleben ein bedrohliches, übermächtiges Äußeres gegenüber. Der Mensch schaffe sich in freier seelischer Tätigkeit Symbole des Notwendigen, so Worringer, und das in geometrischen und stereometrischen Gebilden. Er würde das Leblose suchen weil aus ihm die Unruhe des Werdens eliminiert und eine dauernde Festigkeit geschaffen wäre. Das abstrakte und geometrische Gestalten entsteht zu Beginn des 20. Jahrhunderts also aus einem Wunsch nach Ordnung und Struktur und steht damit auch für Stabilität und Sicherheit in einer sich radikal verändernden Welt.

Mit dem Expressionismus und hier besonders in der – auch theoretischen und literarischen – Auseinandersetzung Wassily Kandinskys gewinnt der Begriff der Abstraktion im Kunstdiskurs an Boden. Kandinsky hebt besonders die Dimension des „Inneren Klangs“ hervor. In der Abstraktion müsse das Gegenständliche auf ein Minimum reduziert werden und werde erst so als das Reale erkannt, während das zum Minimum gebrachte Künstlerische als das am stärksten wirkende Abstrakte erkannt werden könne.

Mitte der 1930er Jahre ist der Konstruktivismus wichtigster Bezugsrahmen für nichtgegenständliches künstlerisches Arbeiten. Die expressionistische Zweifelshaltung weicht einer Betonung von Rationalität, Technologie- und Zivilisationsbejahung stehen im Vordergrund, in jedem Fall aber der Zusammenhang mit einer politischen Praxis.

Einige Jahre zuvor ist der niederländische Künstler Theo van Doesburg an der Gründung der Gruppe „Art Concrete“ beteiligt, die den Unterschied zur gängigen Abstraktionstheorie in einem Manifest betont. Nicht die Abstrahierung von etwas, das in der materiellen Wirklichkeit vorhanden ist, sondern die Auseinandersetzung mit konkreten Bildmitteln, mit Fläche, Linie, Farbe, Volumen und Raum steht im Vordergrund. Der Begriff des Konkreten wird als Materialisierung von etwas Geistigem gefasst. Doesburg beschreibt so die neue, konkrete, gegenstandslose Malerei als Mittel, um auf optische Weise Gedanken zu realisieren. Max Bill greift diesen Gedanken auf. Er beschreibt die Gegenstände der konkreten Kunst als Gegenstände für den geistigen Gebrauch. Bills Text über „Die Mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit“ betont besonders den Aspekt der Nähe zu Wissenschaftlichkeit und Rationalität. Rationalität und Imaginäres, Mathematisches und Psychisches verbinden sich in einer Kunst, die mit geometrischen Formelementen arbeitet und dabei die Logik von Gestaltungsgesetzen hinterfragt.

abstrakt - geometrisch – real – konkret

sind Begriffe, die auch Helmut Nindls Arbeit bestimmen. Gekonnt setzt der Künstler sowohl in der Bildhauerei als auch in der Zeichnung und Medienarbeit Geometrie als visuelles Vokabular ein und arbeitet damit im Werkzusammenhang eines für die Moderne symptomatischen Modells. Ähnlich den Arbeiten Max Bills untersucht auch Helmut Nindl in seinen Arbeiten das Verhältnis von Geist und Materie, von Ideen, die zu Materialität finden.

Überlagernde Farbflächen, Muster und Formen, Kreise, deren Flächen mit unterschiedlichen Strukturen gefüllt sind und sich überlappen, ineinander verschachtelte Kuben und Doppelquadrate, die sich als Rechtecke übereinander, ineinander geometrisch verschieben, sind die Figuren, die Helmut Nindl in seinen neuen Werkserien in immer neuen Variationen auf verschiedene Bildträger setzt. Es sind visuelle Schaustücke, die das Auge gefangen nehmen, optische Systeme, die erörtern werden und die der Künstler lapidar als das bezeichnet was sie sind – Winkelteilungen, Zwei Ebenen – fünf Drittel, Kreise und Quadrate.

Die neuen Werkserien führen einen Weg fort, den Helmut Nindl als Bildhauer schon seit Langem beschreitet. Seine Objekte im öffentlichen Raum und Kunst am Bau Projekte aus den 1990er Jahren sind vorwiegend geprägt von der Auseinandersetzung mit Themen der Raumorganisation. Eine Fläche wird besetzt von einer Skulptur, die dort eine präzise Anordnung erfährt. Es sind vorwiegend Kuben, die Nindl durchbricht, mit Glaselementen durchsetzt und für den Außenraum konzipiert. Die neuen Arbeiten von Helmut Nindl setzen den Weg der Konkretisierung konsequent fort. Die Formen werden strenger, die Anordnungen noch präziser. Nichts wird hinzugefügt, nicht weggelassen. Die reine Form, die reine Farbe, die reine Materialität stehen im Vordergrund und weisen auf eine Tradition im Gestalten hin, in der das Visuelle Stütze für das Denken ist. Bildordnungen werden systematisch entwickelt, die Idee der Struktur entwickelt sich im Bild. Gedankliches wird auf diese Weise anschaulich, Theoretisches sichtbar.

In diesem Sinne sind die Arbeiten von Helmut Nindl auch nicht mehr abstrakt, sondern konkret und konstruktiv. Die Geometrie und ihre Zeichen bleiben rätselhaft im Bezugsfeld der Kunst, die sie immer neu erörtert und in ihren ästhetischen Produktionen antizyklisch einmal analytisch, dann wieder synthetisch, einmal bezogen auf die Form, dann auf Inhalte immer wieder neu entdeckt. Helmut Nindls Arbeit liefert dazu einen wertvollen Beitrag durch die Produktion von ästhetischen Objekten für den geistigen Gebrauch.

Dr. Verena Konrad - Vorarlberger Architektur Institut – vai, Bregenz (2014)

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